Werbeverbot für Schönheitsoperationen wird kontrovers diskutiert

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Werbeverbot für Schönheitsoperationen: der falsche Weg?

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt will das Werberecht für Schönheitsoperationen künftig ein-schränken. So soll vor allem "irreführende und suggestive Werbung" - das würde auch Vorher-Nachher-Fotos beinhalten - verboten werden.

Plastische Chirurgen wollen diese Einschränkung jedoch nicht ohne weiteres hinnehmen. "Die Bundesgesundheitsministerin geht in diesem Fall einen völlig falschen Weg",erklärte heute dazu der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC),Dr. Rolf Kleinen aus Freiburg.

"Natürlich unterstützen wir jede Bemühung, Patienten vor unqualifizierten Ärzten und falschen Vorstellungen zu schützen. Doch die Einschränkung der Werbemöglichkeiten wird eher dazu führen, dass die Patienten blind in die Arme von Scharlatanen getrieben werden. Zudem befürchte ich, dass die Erwartungen der Patienten an einen ästhetisch-plastischen Eingriff dann vor allem durch Extreme geprägt werden, wie sie die Medien tagtäglich darstellen."

Erst die Aufhebung des Werbeverbots im Jahr 2000 habe ermöglicht, Patienten über die realistischen Möglichkeiten - d.h. natürlich auch über Grenzen und Risiken - ästhetisch-plastischer Operationen zu in-formieren.

"Nie zuvor waren Patienten so gut über die Ästhetisch-Plastische Chirurgie aufgeklärt wie heute. Dies ist vor allem den Fachgesellschaften und den Plastischen Chirurgen selbst zu verdanken, die immer wieder auf Qualitätsstandards und Qualifikationsprofile hingewiesen und vor übertriebenem Machbarkeitswahn und undurchsichtigen Aktionsangeboten gewarnt haben", sagt Dr. Rolf Kleinen.

Gerade Vorher-Nachher-Fotos spielten bei der Patientenaufklärung eine wichtige Rolle: "Sie sind für den Arzt die einzige Möglichkeit, Patienten eine realistische Vorstellung davon zu vermitteln, welche Ergebnisse überhaupt möglich sind", sagt Dr. Rolf Kleinen.

"Denn letztlich geht es ja sowohl aus der Sicht des Patienten als auch des Arztes bei ästhetisch-plastischen Operationen immer um den optischen Eindruck. Dabei ist selbstverständlich, dass die Fotos immer nur Beispiele sind, aber nie das ärztliche Beratungsgespräch ersetzen oder das OP-Ergebnis vorwegnehmen können."

Schon heute gilt: Wie jedes andere Dokument dürfen auch Vorher-Nachher-Fotos nicht nachträglich verändert oder verfälscht werden - dann handelt es sich um Betrug. "Wir verstehen daher nicht, inwiefern gerade Vorher-Nachher-Fotos für den Patienten irreführend sein und ein Werbeverbot rechtfertigen sollten", sagt Dr. Rolf Kleinen.

"Handlungsbedarf und tatsächliche Irreführung besteht da vielmehr bei den zahlreichen Phantasienamen wie "Schönheitschirurg", "Kosmetischer Chirurg" oder "Ästhetischer Chirurg", mit denen Ärzte und sogar Heilpraktiker Patienten eine Qualifikation vorgaukeln, die de facto nicht vorhanden ist," so Kleinen.

Andres äußerte sich heute Prof. Dr. Dr. Heinz G. Bull, Präsident der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland e.V. (GÄCD): "Wir fordern schon seit langem eine Restriktion der Werbung zum Schutze des Patienten", so Vorstandsmitglied Dr. Gerhard Sattler erläutert: "Die Werbung mit Vorher-Nachher Bildern kann in der Tat irreführend wirken, denn hier werden lediglich einzelne Beispiele herausgegriffen. Die Suggestivkraft dieser Bilder lässt oft falsche Erwartungen aufkommen und berücksichtigt nicht die Vielfalt der Behandlungsfälle.?

Außerdem sage die Größe des Werbeetats nichts über die Qualität einer Klinik oder eines Arztes aus, so der Experte weiter. Einem Patienten, der sich über Schönheitsoperationen informieren möchte, rät er, sich zwecks Informationen und Arztsuche an seriöse Fachverbände zu wenden, statt sich auf die Werbung zu verlassen. Vom Schönheitswahn befallene Jugendliche?

"Grundsätzlich hat die Reizüberflutung zum Thema Schönheitsoperationen auf allen Fernsehsendern eher zu einer Abstumpfung bis hin zur Ablehnung solcher Eingriffe geführt, so dass man von einem Schönheitswahn kaum sprechen kann?, meint Dr. Sattler. Die Gefahr einer Verführung Jugendlicher zum Schönheitswahn sieht die GÄCD indess nicht: "Wir können keinen Anstieg von Operationen bei Jugendlichen verzeichnen?, erklärt er ausdrücklich. "Die Zahl von Patienten unter 20 Jahren, die sich operieren lassen, rangiert weit unter 1%.

Der Berufsverband der Plastischen Chirurgen, die Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen (VDPC),will sich Anfang März zusammen mit der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) bei seiner Jahrespressekonferenz über die zukünftigen Entwicklungen auf diesem Gebiet der Medizin bewerten und der Diskussion stellen.

Letzte Aktualisierung am 29.07.2015.
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