Melatonin und gesunder Schlaf - Grundpfeiler der Gesundheit

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Melatonin und gesunder Schlaf - Grundpfeiler der Gesundheit
Melatonin und gesunder Schlaf - Grundpfeiler der Gesundheit

Gesunde Ernährung und ein sportlicher Lifestyle sind inzwischen trendy geworden, auf die eigene Gesundheit zu achten ist inzwischen nicht mehr spießig. Dennoch wird in der heutigen, technologisch geprägten Welt ein wichtiger Aspekt gerne vernachlässigt: Die Abstinenz von Licht vor dem Schlafengehen und während des Schlafs.

Forscher vermuten, dass die derzeitige Brustkrebsepidemie, sowie vermehrtes Auftreten von Insulinresistenz und Herzkreislauferkrankungen mitunter auch mit der Einführung der Straßenbeleuchtung in der westlichen Welt zusammenhängen [1]. Dieser gesellen sich Nachtschichtarbeit und neuerdings helle Tablet- oder Smartphone Displays dazu.

Wie hängt jedoch die Lichtbelastung nachtsüber mit einem gesteigerten Risiko an Krebs oder einer anderen Krankheit zu erkranken? Die Verbindung liefert das Schlafhormon Melatonin, welches von der Zirbeldrüse bei Nachteinbruch vermehrt freigesetzt wird und den Schlaf einleitet, morgens wenn die Sonne aufgeht wird die Melatonin Freisetzung wieder gedrosselt.

Melatonin als Zeitgeber und Dirigent

Melatonin dient auf diese Weise dem Körper als eine Art Taktgeber, der die Zellfunktionen auf den 24-stündigen Rhythmus taktet. Dieses Schlafhormon informiert sozusagen die Organe im Körper über die gerade aktuelle Zeit. Dieses Timing ist für den Stoffwechsel, Zellreinigung und generell Organfunktionen von Bedeutung. So weiß man auch, dass die Bauchspeicheldrüse abends durch das Melatonin ihre Aktivität vermindert und weniger Insulin freisetzt. Das wiederum ermöglicht es dem Körper nachtsüber vermehrt auf Fettsäuren als Treibstoff zuzugreifen und im Schlaf nicht durch hohe Insulinwerte zu unterzuckern [2].

Im Speichel steigt pünktlich gegen Mittag die Konzentration von zuckerverdauenden Enzymen, der Körper bereitet sich also auf eine Mahlzeit vor. Das Gleiche gilt für die Körpertemperatur und die Hormone in unserem Körper, die alle zu spezifischen Uhrzeiten ansteigen oder sinken, wobei Melatonin ein wichtiger Taktgeber dieser Funktionen ist.

Melatonins Antitumor-Eigenschaften

Melatonin hat interessanterweise in Krebszellen eine verkehrte Wirkung verglichen mit nicht entarteten Zellen. Statt protektiv zu wirken, schaltet Melatonin in einer Vielzahl der Krebszellen überlebenswichtige Zellsignale ab, während es destruktive und tumorunterdrückende Proteine in ihrer Wirkung verstärkt. Das Schlafhormon senkt zudem die Gefäßbildung und damit die Blutversorgung um die Krebszellen herum und verankert diese stärker im umliegenden Gewebe, was wahrscheinlich die Streuung vermindert [1].

Blinde Frauen erkranken sehr selten an Brustkrebs, während Schichtarbeiterinnen, je nach Studie eine um 20 Prozent erhöhte oder sogar doppelt so hohe Erkrankungsrate aufweisen [3]. Noch sind die vorliegenden Daten etwas widersprüchlich, lassen jedoch Warnlichter angehen.

Untersuchungen mit Krebspatienten deuten darauf hin, dass die parallele Gabe von Melatonin zu einer Krebstherapie die Effizienz dieser verstärken und die Überlebensrate erhöhen könnte. Melatonin verringerte zudem die Nebenwirkungen der Therapie, darunter die Übelkeit und Toxizität [4].

Melatonin sinkt mit dem Alter und durch die Lichtbelastung nachts

Bereits im mittleren Alter reduziert die Zirbeldrüse die Menge der im Schlaf freigesetzten Melatonin Dosis, dies setzt sich mit steigendem Alter fort. Es ist derzeit nicht eindeutig geklärt wodurch diese Störung hervorgerufen wird, die im Alter vermehrte Verkalkung der Zirbeldrüse ist eine mögliche Ursache [5].

Ältere Menschen leiden demzufolge sehr häufig an Schlafstörungen. Sie haben Einschlafschwierigkeiten, schlafen nicht fest, wachen früher auf und sind tagsüber müde, weil die Zirbeldrüse über den Tag Melatonin abgibt. Hier kann man sich auch vorstellen welche verheerende Folgen eine solche deregulierte Melatonin Funktion haben kann, da verschiedene Programme im Körper nicht mehr präzise getaktet, sondern durcheinander ablaufen.

Melatonin liegt daher bereits auch als Medikament für Schlafstörungen vor, das langsam während des Schlafs freigesetzt wird und insbesondere bei Älteren die Schlafqualität verbessern soll.

Achten Sie auf Ihre innere Uhr

Wie Sie sehen gibt es vielfältige Gründe, die innere Uhr nicht durcheinander zu bringen. Sie sollten daher zumindest darauf achten, sich zum Abend hin vom geliebten Tablet oder Smartphone zu trennen und insbesondere blauhaltiges Licht zu meiden, welches die Melatonin Synthese reduziert. Diverse Programme und Apps können hier Abhilfe schaffen, da sie nachtsüber den Blauanteil aus dem Displaylicht herausfiltern. Auch sollte das Licht im Schlaf- und Wohnzimmer dimmbar sein. Dicke Vorhänge schützen vom Lichteinfall des Straßenlichts.

Morgens hingegen sollten Sie sich schnellstmöglich einer Lichtquelle aussetzen, idealerweise dem Sonnenlicht. Dies sorgt für eine schnelle Hemmung der Melatonin Freisetzung morgens, was wiederum den inneren Takt verbessert und abends für bessere Melatonin Werte und Schlaf sorgt.

Falls Sie mal einem Jetlag aufgrund von Reisen erfahren, empfiehlt sich die Einnahme eines Melatonin Supplements um schnellstmöglich die Anpassung an die neue Zeitzone zu gewährleisten, denn diese Anpassung kann sonst länger dauern und zu Unregelmäßigkeiten im Hormonsystem führen. Dabei reichen bereits 1-2 mg Melatonin vor dem Schlafengehen um bereits nach ein oder zwei Tagen den neuen Schlafrhythmus anzunehmen.

Quellenverzeichnis:

  1. Nooshinfar, E., et al., Melatonin, an inhibitory agent in breast cancer. Breast Cancer, 2016.
  2. Hardeland, R., Melatonin and the pathologies of weakened or dysregulated circadian oscillators. J Pineal Res, 2016.
  3. Hansen, J. and R.G. Stevens, Case-control study of shift-work and breast cancer risk in Danish nurses: impact of shift systems. Eur J Cancer, 2012. 48(11): p. 1722-9.
  4. Wang, Y.M., et al., The efficacy and safety of melatonin in concurrent chemotherapy or radiotherapy for solid tumors: a meta-analysis of randomized controlled trials. Cancer Chemother Pharmacol, 2012. 69(5): p. 1213-20.
  5. Kunz, D., et al., A new concept for melatonin deficit: on pineal calcification and melatonin excretion. Neuropsychopharmacology, 1999. 21(6): p. 765-72.
Letzte Aktualisierung am 29.11.2016.
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