Frühförderung von Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten


In Mitteleuropa treten Lippen-Kiefer-Gaumenspalten bei einem von 500 Neugeborenen auf...

Vier Monate alter Säugling mit einseitiger Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte. Das Kind wurde an der Würzburger Uniklinik mit einer so genannten Platte versorgt, welche die Kiefer-Gaumenspalte abdeckt und der Wachstumssteuerung des Kiefers dient
4 Monate alter Säugling mit einseitiger Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte. Das Kind wurde an der Würzburger Uniklinik mit einer so genannten Platte versorgt, welche die Kiefer-Gaumenspalte abdeckt und der Wachstumssteuerung des Kiefers dient

Um Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten möglichst gut behandeln und betreuen zu können, hat die Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie der Uni Würzburg, Professorin Angelika Stellzig-Eisenhauer, mit Unterstützung der Medizinischen Fakultät ein "Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen" eingerichtet.

Beim Menschen wachsen die einzelnen Abschnitte des Gesichts - wie Lippe, Kiefer und Gaumen - in der Regel in der sechsten bis neunten Schwangerschaftswoche zusammen. Wenn dieser Prozess gestört abläuft, kann es zu Spaltbildungen kommen.

In Mitteleuropa treten Lippen-Kiefer-Gaumenspalten bei einem von 500 Neugeborenen auf. Damit gehören sie zu den zweithäufigsten angeborenen Fehlbildungen. Neben der Beeinträchtigung des Aussehens leiden die Betroffenen häufig an ausgeprägten Störungen des Gesichtsschädelwachstums, der Sprache und des Gehörs. Es gibt eine Reihe von Hinweisen darauf, dass Ursachen für bestimmte Sprech- und Sprachstörungen schon erkennbar sein könnten, bevor die Kinder sprechen.

Die Anthropologin Prof. Kathleen Wermke, die sich auf medizinische Themen spezialisiert hat und das Zentrum seit Juli 2003 leitet, analysiert daher sehr genau die "vorsprachlichen Lautäußerungen" von Säuglingen, also deren Schreien und Lallen. Zusammen mit dem interdisziplinären Behandlungsteam für Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten an der Würzburger Universitäts-Zahnklinik erstellt Prof. Wermke für jeden der kleinen Patienten ein individuelles Entwicklungsprofil.

Auf diese Weise kann sie den Verlauf der vorsprachlichen Entwicklung unter dem Einfluss verschiedener kieferorthopädischer und kieferchirurgischer Behandlungsmethoden einschätzen. All das liefert die Möglichkeit, Risikokinder sehr früh zu identifizieren und eventuell durch eine Frühförderung spätere Beeinträchtigungen der Sprach- und Sprechfähigkeit so gering wie möglich zu halten.

"Mit dem Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen haben wir eine Institution geschaffen, wie es sie weltweit bislang nicht gibt", sagt Prof. Stellzig-Eisenhauer. Auf lange Sicht strebt die Direktorin ein leistungsfähiges Diagnose- und Therapiezentrum an. Ein solches Ziel ist nur in enger Kooperation mit anderen Kliniken und Instituten zu erreichen. An diesem Vorhaben beteiligen sich am Uniklinikum: Kinderheilkunde, Frauenheilkunde, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Neurochirurgie und Humangenetik.



Letzte Aktualisierung am 05.04.2011.
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