Achtung, wenn Eltern ästhetisch-plastische Eingriffe per Schönheitsoperationen bei ihren Kindern wünschen

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Schönheitsoperationen bei Jugendlichen dürfen nur am ausgereiften Körper vorgenommen werden...

Schönheitsoperationen bei Jugendlichen

10% aller ästhetisch-plastischen Operationen werden an unter 20-jährigen vorgenommen. Schon 9- bis 14-jährige denken an Schönheitsoperationen. In den USA sollen in bestimmten Schichten Eltern ihren Töchtern zum High School-Abschluss Brustvergrößerungen schenken und ihren Söhnen eine Nasenkorrektur. Jugendliche Musik- und Film-Stars helfen der Natur etwas nach, dem Mädchen und dem Jungen von nebenan bleibt das nicht verborgen. Auf Platz eins der Wunschliste: Fettabsaugen.

Generell gibt es kein Mindestalter bei Kindern und Jugendlichen für eine Schönheitsoperation. Plastische Chirurgen sind jedoch sehr zurückhaltend, bei Jugendlichen ästhetisch-plastische Eingriffe vorzunehmen, weil der jugendliche Körper noch nicht ausgereift ist. Es gibt aber Fälle, bei denen zum Beispiel durch eine pathologische Fettverteilungsstörung solche Deformitäten aufgetreten sind, dass auch bei Kindern und Jugendlichen eine Fettabsaugung schon indiziert ist. Hier ist aber die Ursache mehr als Krankheitswert zu sehen, denn als alleinige Schönheitsoperation. Bei schlanken Mädchen mit kleinen Fettdepots über den typischen Problemzonen wie Oberschenkelaußenseite oder Unterbauch sollte man einen solchen Eingriff in jungem Alter ablehnen.

Die Europäische Union hat ihren Mitgliedern empfohlen, Brustoperationen bei Jugendlichen unter 18 Jahren nicht vorzunehmen. Diese Empfehlung hat zwar keinen Gesetzescharakter, sie wird aber in der Regel von den einzelnen Nationen respektiert und befolgt. Grundsätzlich aber müssen bei operativen Eingriffen beide Eltern ihr Einverständnis schriftlich erteilen.

Es sollte also prinzipiell keine Schönheitsoperation bei Jugendlichen vorgenommen werden, es sei denn, es liegt ein erheblicher Leidensdruck vor oder es kann ein gewisser Krankheitswert der Deformierung eingeschätzt werden. Vorsichtig muss man vor allem sein, wenn ein Elternteil auf eine Korrektur drängt, da hier häufig von den Eltern einem Schönheitsideal für das Kind nachgeeifert wird, das gar nicht im Sinne des Patienten ist. Es kann aber durchaus sein, dass zum Beispiel bei ausgeprägten Brustasymmetrien, tubulären Brustdeformitäten oder auch bei pathologischer Fettverteilungsstörung eine Operation durchaus sinnvoll ist. Dabei sollte man den kleinstmöglichen chirurgischen Eingriff durchführen. Die Jugendlichen müssen immer wissen, dass durch weiteres Wachstum sich die Körperkontur wieder verändern kann und unter Umständen weitere Eingriffe notwendig werden.

Erhöhte Risiken speziell für Jugendliche gibt es nicht. Gerade bei Nasenkorrekturen im jugendlichen Alter ist äußerste Vorsicht geboten. Sollte es sich um eine extreme Schiefnase oder auch eine Septumdeviation (anomale Abweichung der Nasenscheidewand von der Mittellinie) mit Behinderung der Nasenatmung handeln, kann man sicherlich die Indikation großzügiger stellen und auch bei einer 16-jährigen Patientin solch eine Korrektur durchführen. Handelt es sich aber um einen alleinigen ästhetischen Eingriff, zum Beispiel das Abtragen eines kleinen Höckers, oder Verschmälerung der Nasenspitze, sollte man im Alter zwischen 14 und 18 Jahren den Eingriff nicht vornehmen. Das Entscheidende ist die ausgereifte Persönlichkeit, die man in diesem jugendlichen Alter noch nicht erwarten kann.

Wenn sich wirklich Trends von Amerika nach Europa übertragen, kann unsere Gesellschaft damit rechnen, dass der Wunsch von Jugendlichen nach Schönheitsoperationen zunimmt. Eine fundierte Aufarbeitung des Problemfeldes sowohl aus ethischer, medizinischer und juristischer Sicht ist deshalb angebracht, um auch auf diesem Gebiet in verantwortungsvoller Weise gewisse Leitlinien vorzugeben. (Text: Prof. Axel-Mario Feller, München)

Letzte Aktualisierung am 29.07.2015.
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