Perücken für vollständigen Haarausfall wie bei der Chemotherapie oder Alopecia Areata


Perücken-ABC: Asiatisches Echthaar, Indohaar, Cyberhair oder Kunsthaar?

Chemotherapien zielen darauf ab, schnell teilende Zellen (wie z.B. Krebszellen), anzugreifen und zu stören. Da Tumorzellen keine eigenen Reparaturmechanismen besitzen, können sie keine Störungen selbst beheben und sterben ab. Leider ist eine Nebenwirkung von Chemotherapien, dass die Haare meistens innerhalb von 1 bis 4 Wochen komplett ausfallen. Die Kopfhaut und die darauf befindlichen Haaren gehören zu den am stärksten metabolisierenden Bereiche vom ganzen Körper. Daher werden diese ganz besonders durch eine Chemotherapie angegriffen.

Es ist anzunehmen, dass bei den meisten ein Haarausfall aufgrund eines anagenen Effluviums auftritt. Das anagene Effluvium zeichnet sich dadurch aus, dass die Haarfollikel nur geschockt, aber nicht zerstört wird. Somit wachsen die meisten Haare auch nach der Chemotherapie wieder weiter. Die Haare fangen ca. 2 bis 4 Wochen nach der letzten Behandlung wieder an zu wachsen.

Der Haarausfall ist das deutlichste, äußerliche Kennzeichen der Chemotherapie. Häufig werden Perücken zur Überbrückung der haarlosen und haarreduzierten Zeit benutzt. Bei Perücken gibt es große Qualitäts- und Preisunterschiede.

Perücken
Bei Perücken gibt es drei Qualitätskriterien:
1. Natürlichkeit
2. Situationssicherheit
3. Tragbarkeit

All diese Kriterien sollten positiv beantwortet werden können. Standardmäßig werden meistens preiswerte, relativ grobe Kunsthaarperücken angeboten. Kunsthaarperücken werden von den Krankenkassen zum großen Teil übernommen. Kunsthaarperücken bieten eine zufriedenstellende Lösung, solange man kurze Haare oder wieder nachwachsende Haare hat. Bei einer vollkommenen Kahlheit dagegen, sind diese bzgl. Natürlichkeit, Situationssicherheit und Tragbarkeit nicht mehr ganz optimal.

Idealerweise sollte während der kahlen Phase eine maßangefertigte, filigrane Echthaar Perücke die fehlenden Haare ersetzen. Manche Anbieter stellen daher sogar standardmäßig zwei Perücken zur Verfügung - eine Echthaar- und eine Kunsthaarperücke.

Preislich liegen Kunsthaarperücken bei 400 bis 700 Euro und Echthaarperücken bei 1.200 bis 2.000 Euro. Echthaar Perücken sind zumeist Maßanfertigungen, die zwischen 4 bis 12 Wochen dauern können. Diese Zeit sollte man auf jeden Fall vorher schon mit einkalkulieren.

Asiatisches Echthaar:
Relativ starker und dicker Haartyp. Muss vor der Verarbeitung stark vorbehandelt und gefärbt werden, damit es auf dem europäischen Markt verwendet werden kann.

Cyberhair:
Spezielle Art von Kunsthaar, das extrem hitzebeständig ist. Auch hält es die Farbe sehr gut und ist in der Haltbarkeit den bekannten Kunsthaaren weit überlegen. Preislich liegt es in der Höhe von Echthaaren.

Echthaar:
Echthaare sind zur Zeit das Beste, um einen möglichst natürlichen und gefühlsechten Haarersatz zu erzeugen. Es werden europäische, indische oder asiatische Echthaare für Perücken verwendet.

Einzelhaarknüpfung:
Bei einer Einzelhaarknüpfung wird immer nur ein einzelnes Haar verknüpft. Dadurch werden die Knüpfknoten kleiner und das Haar fällt sehr natürlich. Nur die hochwertigsten Perücken haben eine durchgehende Einzelhaarknüpfung.

Effluvium:
Effluvium ist der Fachbegriff für Haarausfall. Europäisches Echthaar: Sehr feines Echthaar und notwendig bei sehr feinem und dünnen Haar. Wird eher bei nordischen Haartypen gebraucht. Europäisches Echthaar ist zum Teil doppelt so teuer wie die anderen Echthaare.

Folie:
Folienmonturen werden normalerweise nur bei einem Teilhaarersatz verwendet. Nur sehr spezielle Perücken haben einen Folienansatz. Vollhaarersatz auf Folienbasis gibt es nicht, hier wäre die Schweißdurchlässigkeit einfach zu schlecht.

Indisches Echthaar:
Indisches Echthaar auch Indohaar genannt, wird gerne als Perückenhaar benutzt. Einerseits ist es in der Struktur dem durchschnittlichen europäischem Typ sehr ähnlich, andererseits ist es wesentlich kostengünstiger als europäisches Echthaar.

Kunsthaar: Kunsthaare werden bei besonders günstigen Perücken verwendet. Hatten frühere Kunsthaare noch sehr viele Macken, sind die Kunsthaare neuerer Generation (siehe Cyberhair) wesentlich farb- und hitzebeständiger. Kunsthaare haben keine Schuppenschicht, daher können keine großartigen Frisurveränderungen bei Kunsthaar Perücken vorgenommen werden.

Monofilament:
Bei Monofilament werden auf einem feinen Stoff per Handarbeit Haare geknüpft. Diese Art der Montur ist wesentlich dünner als auf Tressen basierende. Aufgrund der dabei anfallenden Handarbeit sind Perücken auf reiner Monofilament Basis wesentlich teurer als "Misch-Perücken". Nur höherwertigere Perücken werden mit Monofilament ausgestattet. Monofilament Perücken sind bei weit fortgeschrittenem Haarausfall eine gute Lösung. Sie sind natürlich und zum Dauertragen geeignet. Nur die Situationssicherheit ist nicht so gegeben.

Monturarten:
Den Unterbau, worauf die Haare geknüpft werden, bezeichnet man als Montur. Monturen können aus Tressen, Monofilament, Netzen oder Folien bestehen.

Netz:
Netzmonturen werden bei besonders filigranen Perücken verwendet. Hierauf werden zumeist die Haare alle einzeln geknüpft. Eine Netz Perücke wird häufig am Stirnansatz mit einer Folienmontur ergänzt und erlaubt damit supernatürliche Übergänge. Diese Perücke wird vollständig in Handarbeit geknüpft. Damit ist die Netz Perücke die aufwändigste Perückenart. Netz Perücken sind bei einem sehr weit fortgeschrittenen Haarausfall oder bei einer totalen Kahlheit eine exzellente Lösung. Dieser Perückentyp stellt zur Zeit die natürlichste, sicherste und komfortabelste Lösung dar. Die Lebensdauer dieser Perücke ist ideal zur Überbrückung einer Chemotherapie geeignet.

Tressen:
Tressen sind "Schnüre" auf denen jeweils die Haare maschinell gestickt werden. Diese Herstellungsweise ist sehr kostengünstig. Aufgrund der damit verbundenen Dicke der Perücke, werden Tressen im vorderen Bereich eher vermieden. Daher gibt es fast nur gemischte Perücken mit Tressen hinten und Monofilament vorne. Tressen Perücken sind meistens sehr robust, aber nicht besonders natürlich oder angenehm zu tragen. Tressen Perücken sind daher eher für den sporadischen Gebrauch gedacht.




Letzte Aktualisierung am 02.10.2009.
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