Botulinumtoxin: Botox vom Nervengift zum Heilmittel

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Botulinumtoxin: Botox TM und Argireline TM - die neue Behandlungsgeneration wirksamer Antifalten Mittel

12.05.2006

Botox ist als wirksames Antifalten Mittel bekannt und wird seit Mitte der 90er Jahre eingesetzt. Seit die Anwendung von Botox, wenn von Fachärzten durchgeführt, als sicher gilt, nahm der Gebrauch dieses Wirkstoffes geradezu exponentiell zu.

Botox - Botulinumtoxin
Handelsname Botox®

"Mit Botox können tolle Ergebnisse erzielt werden. Meine Patientinnen sind häufig geradezu sprachlos, wenn sie sich nach der Behandlung zum ersten Mal im Spiegel betrachten", so Beautyexperte Dr. Richter. Gleichzeitig weist Dr. Richter darauf hin, dass Botox mit der Zeit vom Körper abgebaut wird, so dass eine erneute Behandlung nach ungefähr sechs Monaten erforderlich ist. Auch sei Botox nicht völlig harmlos. So können schon leichte Dosierungsfehler zum Beispiel zu erstarrten Gesichtszügen führen, die sich jedoch in wenigen Wochen wieder zurückbilden. Zudem gäbe es bei ca. 5 Prozent der Patientinnen natürliche Resistenzen, bei denen kein Ergebnis erzielt werden könne.

Botox: Ungestörte Sekretion von Acetylcholin in der präsynaptischen Spalt
Ungestörte Sekretion von Acetylcholin in der präsynaptischen Spalt

Bei weiteren 5 bis 20 Prozent treten mit der Zeit Anpassungen und Resistenzen auf, so dass Folgebehandlungen meistens nicht mehr so effektiv sind. Aufgrund der doch nicht ganz unerheblichen Nebenwirkungen von Botox wurde nach smarten Ersatzstoffen geforscht, die ähnlich wie Botox wirken sollten. Dieser Wirkstoff sollte neben der ähnlichen Wirksamkeit weniger giftig und gut hautdurchdringend sein, damit sich die Wirkung voll entfalten kann.

In dem Hexapeptid ArgirelineTM wurde man schließlich fündig. Der IC50 Wert von Argireline bzgl. der Hemmung von Katecholamin ist zwar um einiges höher als bei Botox, dies fällt jedoch weniger ins Gewicht, da Argireline im Vergleich zu Botox eine wesentlich geringere Toxizität aufweist. Daher kann Argireline auch höher dosiert werden. Aufgrund der Kurzkettigkeit durchdringt das Hexapeptid Argireline die Haut sehr gut und wird von dieser auch sehr gut vertragen.

Argireline Emulsionen mit einer 10%-igen Konzentration zeigten eine sehr gute Antifalten Wirkung. Falten konnten hiermit innerhalb von 30 Tagen um ca. 50% reduziert werden. "Ich war von der Entwicklung von Argireline total begeistert. Meinen Patientinnen empfehle ich daher Argireline-Produkte, um Botox Ergebnisse zu verbessern oder zu verlängern. Auch stellen Argireline-haltige Seren eine gute Botox Alternative da, wenn Botox nicht vertragen oder die Spritze gescheut wird" so Dr. Richter.

Botulinumtoxin: Blockade der Acetylcholinfreisetzung durch die leichte Kette von Botolinumtoxin A
Blockade der Acetylcholinfreisetzung durch die leichte Kette von Botulinumtoxin A
Der württembergische Arzt Justinus Kerner beschrieb 1817 und 1822 als erster ausführlich das klinische Bild des Botulismus, das als Lebensmittelvergiftung seit der Zeit des römischen Reiches bekannt war. Botulinumtoxin ist ein natürlich vorkommendes Bakteriengift, das von Clostridium botulinum unter anaeroben Bedingungen (Luftabschluss) produziert wird. Es wurden bisher sieben Subtypen (A bis G) charakterisiert. Allen gemeinsam ist eine langfristige Blockade cholinerger (dass heisst Nerven mit Acetylcholin als Botenstoff) Nerven, woraus sich die typischen Symptome einer Vergiftung, des so genannte Botulismus ergeben.

Der Botulismus wird am häufigsten durch kontaminierte Lebensmittel hervorgerufen, die unter Luftabschluss gelagert werden, wie zum Beispiel in Wursthäuten, Vakuumverpackungen, Konserven, Flaschen oder ähnlichem. Frühsymptome der Vergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall. In diesem Stadium kann noch versucht werden durch Gabe von Antitoxin die Aufnahme in die Nervenendigungen zu vermindern.

Gelingt dies nicht, folgen Sehstörungen, Behinderungen beim Schlucken und Sprechen. Das Vollbild entwickelt sich innerhalb von 3 bis 7 Tagen und ist durch Erschlaffung der gesamten Muskulatur, die bis zur Atemlähmung führen kann, geprägt. In diesem Stadium erfordert die Behandlung eine mehrmonatige intensivmedizinische Betreuung inklusive künstlicher Beatmung. Die Symptome bleiben für einige Monate, bis es schließlich wieder zu einer Erholung der Nervenimpulsübertragung auf die Muskulatur kommt.

Die erste Charakterisierung des Toxins gelang Herrn Prof. van Ermengen in Belgien 1897. Im selben Jahr stellte W. Kemper das erste Antiserum her. Ab denn 20er Jahren wurde an der Hooper Foundation der Universität von Kalifornien unter Dr. Hermann Sommer an der Reindarstellung des Botulinumtoxin A (BTX-A) gearbeitet. Während des Zweiten Weltkrieges fürchteten die USA den Einsatz des Toxins als verheerende biologische Waffe und veranlassten unter strengsten militärischen Sicherheitsvorkehrungen in Fort Derrick, Maryland, seine systematische Erforschung. Viele Grundlagenarbeiten über Herstellung und Wirkung des Toxins und die serologische Differenzierung in verschiedene Subtypen (A bis G) stammen aus dieser Zeit.

1946 wurde von Dr. Carl Lammanna erstmals Botulinumtoxin A kristallisiert und er chemische Aufbau beschrieben. 1949 beschrieb Burgen die Blockade der neuromuskulären Übertragung als Wirkungsmechanismus des Botulimumtoxins. Alan B. Scott, Forscher an der Smith-Kettlewell Eye Research Foundation, suchte nach einer Möglichkeit, mit medikamentöser Hilfe überaktive Muskeln zu schwächen. In Botulinumtoxin A hat er eine solche Substanz gefunden. Im Tierversuch bewährte sich das Toxin ab 1973. 1978 wurde es nach einem von der FDA zugelassenen Protokoll erstmals an freiwilligen Probanden eingesetzt. 1980 veröffentlichte Scott seine Arbeit über den ersten therapeutischen Einsatz von Botulinumtoxin A zur Behandlung des Strabismus (Schielen)

Der Bericht über diese wissenschaftliche Großtat gilt als Ausgangspunkt für die rasche Entwicklung weiterer Anwendungsgebiete. Es wurde die Tür zu einer neuen Ära der Behandlungsmöglichkeiten von neurologischen Erkrankungen geöffnet, die bis zu diesem Zeitpunkt nur schwer zu behandeln waren. Es wurden Erkrankungen mit Überaktivität von einzelnen Muskeln, wie z.B. Dystonien, Hemifazialer Spasmus, Blepharospasmus und Spastik behandelt. Dabei werden Dosierungen angewandt die weit unter der Toxizitätsgrenze liegen mit ca. 1/50 der letalen Dosis. Vergiftungen sind dadurch ausgeschlossen.

Die erste Zulassung als Medikament für die Indikationen Strabismus und Blepharospasmus erfolgte 1989 in den USA (Botox®). Eine andere Zubereitungsform wurde in Großbritannien 1991 unter dem Handelsnamen Dysport® eingeführt. Seit 1993 werden beide Präparate mit Zulassung für bestimmte augenärztliche und neurologische Erkrankungen auch in Deutschland vertrieben.

Inzwischen ist BTX-A bei zahlreichen muskulären Erkrankungen wir Torticollis, Tics, Schreibkrampf sowie weiteren Dystonien zum Mittel der ersten Wahl geworden. Darüber hinaus wurde in klinischen Studien und Einzelfalldarstellungen der Einsatz bei zahlreichen weiteren Erkrankungen dokumentiert. Insgesamt wurden bereits mehr als 100 medizinische Anwendungsgebiete von BTX-A beschrieben.

Der Augenarzt Alan B. Scott, Pionier der Botox-Injektionen, hatte bereits das Verstreichen von Gesichtsfalten nach der Behandlung des Blepharospasmus als kuriose Nebenwirkung der Injektion beobachtet, ohne jedoch die Bedeutung dieser Beobachtung für die zukünftige Anwendung in der ästhetischen Medizin zu ahnen. Seine Mitarbeiterin Jean Carruthers und ihr Mann Alistair Carruthers erforschten seit 1988 als erste die Möglichkeiten zur Faltenkorrektur mit Botulinumtoxin A. Die erste Publikation dazu erschien 1990.

Jean Carruthers wurde von einer Patientin, die wegen Blepharospasmus regelmäßig mit BTX-A behandelt wurde, auf die gleichzeitige Besserung der Gesichtsfalten, besonders im Glabellabereich (Zornesfalten) hingewiesen. Diese Region wurde nun systematisch behandelt, es folgten die so genannten Krähenfüsse, Nasenfalten und Kinnregion. A. Blitzer, HNO-Professor an der Universität von Columbia, beschrieb 1993 die Anwendung für die Stirnregion und das Platysma (Halsmuskel). Inzwischen wurden die Indikationen erweitert und so gehört in den USA die unterstützende Behandlung mit BTX-A beim Laser Skin Resurfacing zum Standardprotokoll.

Ein neues Anwendungsgebiet ist die Behandlung der Hyperhidrose (vermehrte Schweißsekretion) an Achselhöhlen, Händen und Füssen. Durch flächenhafte Injektion kleiner BTX-A Dosen kann die Hyperhidrose zuverlässig für 6 bis 9 Monate behandelt werden. Ab 1995 nahm die Anwendung von BTX-A zur Behandlung von Mimikfalten exponentiell zu, obwohl diese Indikation bis heute weder in den USA noch in Europa offiziell zugelassen ist. Laut Statistiken der amerikanischen Presse stieg der Verkauf von Botox (Fa. Allergan; in den USA ist Dysport nicht erhältlich) in diesen Jahren um das zehnfache.

Einer Statistik der American Society for Aesthetic Plastic Surgery (ASAPS) zeigte die Behandlung von Falten mit BTX-A gegenüber allen anderen chirurgischen und nicht-chirurgischen kosmetischen Maßnahmen mit einem Anstieg von +665 % im Vergleich 1999 zu 1997 die größte Zuwachsrate. Statistiken anderer Fachgebiete zeigen ähnliche Ergebnisse. Da die Wirkungsdauer der Behandlung begrenzt ist, ergibt sich hier ein riesiger Wachstumsmarkt Gegenwärtig wird die kosmetische Anwendung von BTX-A vorwiegend von Hautärzten, HNO-Ärzten, Augenärzten und Plastischen Chirurgen erforscht und durchgeführt.

http://www.plastische-chirurgie-nuernberg.info/leistungen/hyperhidrose.htm
http://www.schoenheit-chirurgie-nuernberg.de



Letzte Aktualisierung am 16.07.2018.
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Botox, Botulimumtoxin, Botox, Botolinumtoxin A